Computer sind besserwissende Mimosen: "Tu dies nicht, tu das nicht, sonst stürze ich ab." Schluß damit - Wir brauchen ein schuldbewußtes, bescheidenes Betriebssystem.
Mein Kumpel Gustl ist ein netter Kerl. Nur sagt er manchmal das Richtige zur falschen Zeit: Gerade waren wir in unserem Wagen einem Frontal-Crash entkommen, schon riet er aus dem Fahrzeugfond "Paß halt auf". Er hatte zweifellos Recht. Aber wenn ich etwas in diesem Augenblick gebraucht hätte, so wären das Valium und ein Nachweis gewesen, daß ich noch lebe. Aber kein "Paß halt auf". |
der Stimme, der Mimik-Parser MS-Face analysiert die Gesichtszüge. Werden Aggressionsgrenzwerte erreicht, entschuldigt sich das Betriebssystem. Je nach Ansprüchen und kulturellem Hintergrund reicht diese Entschuldigung von einem gemurmelten "Tut mir leid" bis hin zum digitalen Harakiri.
Auf Wunsch lassen sich unterschwellige Vorwürfe und Schuldzuweisungen einbauen. Bei sensiblen Naturen entschuldigt sich Windows mit Direct Sorry schon beim Start. Statt eines Logos erscheint: "Sorry, willst Du wirklich, daß ich hier bin?" Setzt sich Microsofts Direct Sorry durch, wird sich auch das Klima in der Software-Branche ändern. Statt knebelnder Lizenzvereinbarungen steht dann auf der Lasche: "Mit dem Öffnen dieser Verpackung akzeptieren Sie unser tiefes Bedauern für jeden Bug." Großspurig als Service-Packs verkaufte Bugfixes werden in Bescheidenheit und Demut Apology Packs genannt. Auch Systemmeldungen werden frei sein von Vorwürfen und kommen mit klaren Bekenntnissen: Anstelle eines harschen "Legen Sie die Diskette A in das Laufwerk", lautet der Text "Tut mir wirklich echt leid, ich kann die Datei nicht finden. Ich bin schuld und Du könntest mir helfen, wenn Du eine Diskette in das Laufwerk legtest, Meister."
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