Schutzverletzung aus der WIN 08/98   -   www.goldmann.de


Das Leben ist eine Seifenoper. Der Computer-Branche geht es nicht anders. WIN-Filmkritiker Martin Goldmann prämiert die besten und unterhaltsamsten EDV-Soaps des vergangenen Jahres.

Endlich Ruhe. Hollywood hat seine Oscars an die Stars gebracht, in Cannes sind die Strände wieder leer, und MTV ist seine Awards los. Wo aber bleiben die Ehrungen für die künstlerischen Leistungen in der Computer-Branche? Schließlich verlangt das Prozeß-, Abmahnungs- und Werbetheater den Darstellern das letzte ab.
WIN, die Fachzeitschrift mit künstlerischen Anspruch, präsentierte anläßlich einer Benefiz-Gala für abgestürzte Systeme erstmals die Preisträger der "Goldenen Schwalbe" für die besten schauspielerischen Leistungen. And the winners are:

  • Bester Darsteller: Bill Gates für seine Rolle in dem Western-Melodram "Zeit der Unschuld". Zu Unrecht fühlt sich Großgrundbesitzer John Smith kritisiert. Die Einwohner von Pee Cee City werfen ihm vor, sein Wasser-Monopol auszunutzen. John Smith aber ist der Ansicht, jeder könne einen Brunnen bohren, wenn er nur über die richtige Technologie verfüge - die es übrigens bei ihm zu kaufen gibt. Ein glänzend aufgelegter Bill Gates stellt einfühlsam den inneren Konflikt des John Smith dar, der sich zwischen Geld und macht entscheiden muß.
  • Beste Regie: John Landis für die Western-Komödie "Sieben gegen Microsoft" oder "Wo zum Teufel geht's zum OK-Corral". Drei Schusselige Westernhelden stellen sich gegen das mächtige Wasser-Kartell. Old Oracle Bill, Sunny McNealy, das Halbblut Net Scape und die trotteligen SPA-Brüder sorgen für reichlich Situationskomik. Höhepunkt ist der Showdown, der wegen einer dummen Verwechslung am OK-Button stattfindet.
  • Bester Dokumentation: "Die Farbe Paradox". Ein schwermütiger Film über den Handel mit Straßen-Software. In seinem Drama dokumentiert Steward Cowpland den langen Irrweg und das Schicksal von Programmen wie Wordperfect, Paradox oder Quattro Pro. Beeindruckend sind die mit versteckter Kamera gedrehten Szenen von geheimen Deals des Software-Kartells.
  • Den Preis für den besten ausländischen Film teilen sich zwei Werke: "D-Infos Bruder" von Joseph Vilsmaier erzählt von Zerwürfnissen zweier einst sich liebender Geschwister. Die deutsch-französische Coproduktion "Der Programmierer, der Marketing-Manager, Minderwertigkeitskomplexe und ich" beschäftigt sich mit einer Zwölfecksbeziehung und führt in die psychologischen Abgründe deutscher Software-Unternehmen.
Auch im nächsten Jahr wird es wieder die Goldene Schwalbe geben. Die WIN-Leser sind schon jetzt herzlich eingeladen, ihre Vorschläge abzugeben.

 


Bill Gates gerät in der Rolle des John Smith immer wieder
in Situationen, in denen nur noch das Schießeisen hilft.