Schutzverletzung aus der WIN 07/98   -   www.goldmann.de


Woher stammen all die Ideen zu Rambo- und Metzel-Filmen? Klar, die Drehbuchautoren müssen einmal an einem streikenden PC gesessen haben. WIN-Cineast Martin Goldmann erzählt die Entwicklungsgeschichte der Greuel-Streifen.

Schon immer habe ich mich gefragt, wie Drehbuchschreiber auf die merkwürdigen Ideen zu ihren Filmen kommen. Klar - das Thema "Ich-bin-30-und-weiß-nicht-wie-es-mit-meinem-Leben-weitergeht" liegt auf der Hand. Aber wie ist es mit der seelischen Verfassung eines Menschen bestellt, der Metzel-Orgien a la "Rambo III" entwirft oder in Splatter-Movies fleißig Gedärme platzen läßt?
Dann erkannte ich auf einmal, wie Leute auf die geschmacklose Idee kommen, eine Menschenmenge per Kettensäge oder Handgranate zu zerstreuen. Einer dieser Augenblicke ist das Public Bugfixing - jene Zeitspanne, in der man an einem Rechner Probleme löst und dabei von einer Gruppe wissender Zuschauer begeleitet wird. Denn in der Masse fühlt sich der Mensch wohl und geizt nicht mit Ratschlägen.
WIN ging diesem Phänomen nach und sammelte die häufigsten Kommentare und Ratschläge. Ergebnis: Aussagen lassen sich immer bestimmten Gruppen zuordnen.
Aussage 1: "Schau doch mal im Handbuch nach!" Sie wird meist geäußert von Optimisten oder absolut unerfahrenen Usern., die noch nie ein Manual besichtigt haben.
Aussage 2: "Vermutlich hast du den root-demon nicht richtig konfiguriert und das Hash nicht auf die Binary gemounted!" Sie kommt häufig von Personen mit abgewetzten Lederkrawatten und verklärtem Blick.

Aussage 3: "Mit Pascal kann so etwas nicht passieren!" Sie steht besonders für Studenten wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtungen. Bei Problemen mit Textverarbeitungen gilt analog: Mit Wordperfect kann so etwas nicht passieren!
Aussage 4: "Mit C kann alles passieren!" Sie stammt meist von Informatikern mit einer verhängnisvollen Sucht nach VI-Editoren und Cursor-Steuerung per h, j, k und l.
Aussage 5: "Ich habe schon vor zehn Jahren in Unicomal an einer PL 100 unter OF3 programmiert - aber das ist mir noch nicht untergekommen!" Sie stammt meist von Herren mittleren Alters mit Vollbart und Kugelschreiber. Der steckt in der Tasche eines gestreiften Hemdes aus dünnem Stoff, durch das man die Feinripp-Unterwäsche erkennt.
Aussage 5 ist schließlich: "Das ist wieder typisch für Unix, mit meinem Mac kann mir sowas nicht passieren. Da klicke ich einfach auf den System-Folder, stuffe die ganze Sache und merge sie dann mit der Tastenkombination [Apfel]+[Kompott]+[F] in einen Ordner. Hat bisher immer geklappt!" Der Macintosh-User kommentiert PC-Probleme mit distinguierter Distanz und einem leisten Unterton des Bedauerns.
Wie würden Sie auf die gesammelten Weisheiten hinter Ihrem Schreibtischstuhl reagieren? Haben Sie ähnlich Erfahrungen gemacht? Schreiben Sie an WIN, Abt. Studien und Drehbücher. Wir brauchen noch Ideen für "Rambo IV".


Ein Rechnerabsturz ist immer wieder ein willkommener Anlaß, das
eigene Wissen möglichst effektvoll in Szene zu setzen.