Es ist nicht einzusehen, daß amerikanische Software auch in Deutschland unter ihrem englischen Namen verkauft wird. Filmtitel werden schließlich auch übersetzt.
Deutsche Liedermacher fordern einen höheren Anteil deutschsprachigen Liedguts im Radio. Recht haben sie. denn der Durchschnittshörer versteht Niedeckens Kölsch-Geschnoddere oder Kunzes hochtrabende Gymnasial-Philosophie besser als den fröhlich dahingerappten Smash-Hit. Die Leute sollen schließlich etwas lernen. |
Titel wie "Datenbank-Report 13 - Die geheimsten Wünsche boolscher Variablen", "Auf dem Desktop gibt's koa Sünd", "Laß booten, Kumpel" oder "Softram - Geheime Sehnsüchte" zeigen, welch sinnliches Potential in der neuen Nomenklatur steckt. Komplexe Verfahren lassen sich endlich plakativer beschreiben. ODBC heißt nun "Der mit den Datenbanken spricht", OLE bekommt den Zusatz "Objekte wilder Begierde" oder für Kalauer-Fans "OLE - Das kommt mir spanisch vor". Microsoft bemüht sich, ihren Programmiersprachen attraktivere Namen zu verpassen: "C+++ - Keiner kennt die Syntax" birgt weitaus mehr Dramatik als der englische Originaltitel. Visual Basic erreicht mit dem Titel "Von der ungeheuren Leichtigkeit des Programmierens" auch kulturbeflissene Anwender. "Fortran - Sie wissen nicht, was sie tun" steht ebenfalls bald wieder im Software-Regal. Auch Intel hat Interesse an den neuen Titeln angemeldet. Per Marktforschung testet der CPU-Multi Titel für neue und alte Prozessor-Generationen. Unser Favorit ist "Pentium - Für eine Handvoll Bugs". Am Titel "MMX - Der turbogeile Gummirechner für unheimlich hippe Hardware-Freaks in bunten Anzügen." sollte das Intel-Marketing allerdings noch ein wenig feilen.
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