Lange schwieg die Branche über den weitaus größten Skandal in unser aller Internet: Die Analogie vom Surfen ist falsch. WIN-Reporter Martin Goldmann deckt die bis dato verbalste Entgleisung aller Informationszeitalter auf.
Heute schon im Internet gesurft? Nein, haben Sie nicht. Oder wollen Sie das, was Sie da treiben, etwa "Surfen" nennen? Da liegen Sie ganz falsch. Von Surfen kann keine Rede sein. Das Bild stimmt nicht mehr. Die Metapher hängt schief. Fangen wir beim Surfbrett an. Ein Surfbrett ist leicht, wendig und paßt in jeden größeren Schuhschrank. |
Dritter Bug: Der Vorgang des Surfens selbst. Surfen hat nichts mit dem Internet zu tun. Denn das Gleiten auf den Wellen hat immer nur eine Richtung: vom Wasser zum Strand. Wer diesen Sport in anderer Richtung betreibt, fällt den Sirenen anheim oder wird zu Fischfutter. Im weltweiten Datennetz aber gibt es keinen Strand und kein rettendes Ufer. Immerhin versuchen einige Anbieter mit einem virtuellen Baywatch der Analogie ein wenig näher zu kommen. Aber mal ehrlich: Welcher Wassersportler würde freiwillig sein Kunststoff-Board gegen einen virtuellen Ritt auf Pamelas Hügel eintauschen? Und der echte Internet-Junkie ertrinkt lieber in den WWW-Fluten, als sich von Muskel-Badmeister David Hasselhoff wiederbeatmen zu lassen. Das war's also für den Internet-Surfer und seine Metapher. Doch wie nennen wir nun den Prozeß des ziellosen Herumklickens im Web, das lange Warten vor dem Bildschirm die vielen URL-Fehlermeldungen und das Ausfüllen von Registrierformularen? Net-Gähnen? Oder Cyberklicken? Vielleicht ViZiKli, virtuelles Ziel-Klicken? Zwar nicht so sportlich, aber immerhin ehrlich.
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