Sind wir eine neue Spezies? WIN-Kolumnist und Hobby-Anthropologe Martin Goldmann entdeckte den Homo digitalis und drei seiner Untergruppen.
Unbemerkt von Politikern, Parapsychologen und Staatsschutz hat sich eine neues Spezies herausgebildet. Sie richtet ihr Sozialverhalten an Computer und Arbeit aus: der Homo digitalis. Die noch junge Forschung entdeckte bereits mehrere Untergruppen dieser Spezies. |
Homo digitalis officeis Eine weit verbreitete Gattung. Ernährt sich von Schreibarbeiten, Kalkulationen und dem Sammeln von Daten. Im Winter jagen die Männchen nach mehr Performance, da die Brunftzeit, "Update" genannt, ansteht. Der Homo digitalis officeis lebt stets mit einem Symbionten, dem Virtuellen Assistenten. Der nimmt ihm alle Routine-Tätigkeiten und meist auch das Denken ab. Ein für Forscher interessantes, aber noch ungeklärtes Verhaltensmuster: die Nachkommen des Homo officeis züchten Computer-Tierchen, offenbar, um sich auf das Leben vorzubereiten. In Laborversuchen mit naturbelassenen Hamstern freuen sich die Officeis-Kinder über deren Quieken, sobald sie auf einen der beiden glänzenden Fütterungs-Buttons im Gesicht drücken. Aussterbende Kulturen Nur noch selten entdecken Anthropologen Vertreter des Australopithecus amigeis sowie des Chromagnon-Atarianer. Diese Spezies rotteten sich in langen ideologischen Auseinandersetzungen gegenseitig aus. Noch früher verschwand der 8-Bit-Mensch. Forscher datieren erst kürzlich Chip-Überreste einer digitalen Frühkultur auf das Jahr 6502 v. Chr. Diese Epoche löste wohl ein Zeitalter ab, über das es nur lückenhafte Erkenntnisse gibt. Funde lassen darauf schließen, daß Pappkartons mit Lochmustern ein große kulturelle Rolle spielten.
|