Schutzverletzung aus der WIN 01/98   -   www.goldmann.de


Wer ist wirklich mächtig? Der Papst, der Präsident und jeder Pförtner. Doch Bill Gates ist noch mächtiger. WIN-Kolumnist Martin Goldmann deckt gnadenlos dessen Pläne auf: Microsoft will die Rechte am Gregorianischen Kalender kaufen.

Kolumnen-Kollegen munkeln fleißig über Bill Gates' Ambitionen für das US-Präsidenten-Amt. Das ist unrealistisch. Gates als Papst paßt schon eher zur dogmatischen Linie des Multis. Doch Gates' Streben geht viel weiter. Geheime Dokumente zeigen, daß der bislang raffinierteste Coup des Software-Milliardärs noch bevorsteht: Microsoft wird die Rechte am Gregorianischen Kalender kaufen und die Zeitrechnung übernehmen.
In einer ersten Maßnahme wird Microsoft das Jahr 2000 abschaffen. Schon mit 1999 wird es nichts. Vorerst gibt es die Zwischen-Releases 1998a und 1998b. Damit kompensiert das Unternehmen alle Verzögerungen bei der Veröffentlichung des neuen Windows 98.
Im zweiten Schritt wird Microsoft eine komplett neue Zeitrechnung einführen. Denn die Jahreszahlen als Versionsnummern von Windows 95. Office 97 oder Windows 98 werden zunehmend unpraktisch. Deshalb stellt die Gates-Company ab 1999 um. Künftig leben wir nach der Versions-Zeitrechnung: 1.0, 2.0 und 3.0 lösen dann die alten Jahreszahlen ab.
Um die Versionsnummern-Flut nicht unnötig zu beschleunigen, fällt der Jahreswechsel künftig auf das neue Release von Windows. Die

Monate werden hinter dem Komma weitergezählt, die störende Beschränkung auf zwölf aufgehoben. Je nach Release-Datum kann es also durchaus zum Monat 2.15 kommen. Als Monatsnamen vergibt Microsoft dann eigene Namen. Auf den Dezember folgen Wordar, der Excelar und Powerpointar. Branchen-Insider vermuten reine Profitgier hinter Microsofts Streben. So werden alle Hersteller von Terminplanern künftig Abgaben an Microsoft zahlen, damit sie mit den MS-Jahreszahlen agieren dürfen.
Außerdem müssen sich alle Staaten bei der US-Firma um die Lizenzierung von Feiertagen bemühen.
Sun, Netscape, IBM und Oracle laufen Sturm gegen Microsofts Pläne. Nach erfolglosen Klagen veröffentlichen die Konkurrenten demnächst eine eigene Zeitrechnung, Open Time. Noch ist man sich allerdings nicht in allen Detailfragen einig. Sun will ihren Entwurf Open Time 1.1 durchdrücken, IBM und Oracle favorisieren jedoch die bereits getestete Version 1.02. Mit einer Einigung ist nicht vor 3.0 zu rechnen.


"Was kaufe ich als nächstes?", scheint Bill Gates zu denken. Den Gregorianischen Kalender hat er jedenfalls schon.